VOLKS-FÜRSORGE
Und wiederum hatte Frau Brotbeck das Vergnügen, mit ihrem Mann ein freies Wochenende zu verbringen das beide an ein altbekanntes Ausflugsziel führte. Es ging an den idyllisch gelegenen Waldhäuser Badesee der in vierzig Minuten vom Marienplatz Stuttgart aus zu erreichen war. Ein leichter Wind hatte die Sommerhitze der vergangenen Tage vertrieben und war sicher auch der Grund für eine beschauliche Besucherzahl, welche sich um den kleinen Kiosk mit seinen Liegestühlen und Sitzecken verteilte.
Am nah gelegenen Sandstrand tummelten sich Kinder und Eltern im kniehohen Wasser. Die ersten Schwimmversuche wurden getätigt, mit Luftpolstern an den Armen unter der strengen Aufsicht des braungebrannten Bademeisters, welcher am hölzernen Vorbau zum Kiosk, wie jedes Jahr, seinen Beobachtungsposten eingerichtet hatte.
Frau Brotbeck hatte mit ihrem Mann einen der kleinen Bistrotische gewählt, an denen sich schönster Seeblick mit dem Beobachten der Badeszenerie verbinden ließ. Szenisch interessant war das kleine persisch geführte Kiosk-Team die Limonaden, Pommes Rot-Weiß und delikate Eisvarianten von Cold Brew Coffee bis Indian Mango mit Humor gewürzt über den Tresen reichten.
Und dieses Gewürz verzauberte die herzhaft genießenden Kinder aus der Ukraine. Frau Brotbeck schmunzelte.
„Nicht auszudenken“, dachte ihr Mann, „würden Parteien die Migration verbieten“. Der VfB und die Bayern würden plötzlich drittklassig spielen - die deutsche Nationalelf wäre ständig am taumeln und die Gewürze des Humors gingen nicht mehr über den Tresen. Nur noch Trauerspiele.
Frau Brotbeck und ihr Mann traten die Heimreise an. Im Gepäck hatten sie noch Diskussionen - über Migrationsverlust, Volksfürsorge und Wandlungsphasen.
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